Der eine Satz
Ein Chat hat kein Gedächtnis. Bei jeder Nachricht wird das ganze bisherige Gespräch noch einmal gelesen.
Teurer: Der Vorlauf wächst mit jeder Runde und wird jedes Mal neu bezahlt.
Schlechter: Je mehr davorsteht, desto eher geht die eigentliche Frage unter. Modelle finden Angaben in der Mitte eines langen Verlaufs am schlechtesten wieder.
Trick 1 — Ein Thema, ein Chat
Der häufigste Fehler ist der Endlos-Chat als Arbeitstagebuch.
Vier Zeichen, dass es Zeit für einen neuen Chat ist
- 1Sie wiederholt sich.
- 2Sie widerspricht dem, was sie vorhin selbst gesagt hat.
- 3Du korrigierst zum dritten Mal denselben Punkt.
- 4Das Thema hat gewechselt.
Punkt 3 ist der teuerste. Nach der dritten erfolglosen Korrekturrunde ist neu ansetzen fast immer schneller als weiter patchen: Jede Runde vergrößert den Verlauf, und der vergrößerte Verlauf macht die nächste Antwort nicht besser.
Was einen Chat am schnellsten aufbläht, sind eingefügte Textwüsten, ganze Protokolle und Screenshots. Ein Screenshot kostet ungefähr so viel wie eine Textseite — und läuft ab dann bei jeder weiteren Nachricht mit. Drei abgetippte Kernsätze sind billiger und liefern oft die bessere Antwort.
Trick 2 — Die Übergabe in fünf Zeilen
Nicht alles neu erzählen und nicht den alten Chat weiterschleppen, sondern übergeben. Erst die Zusammenfassung anfordern, dann neuer Chat, dann einfügen.
„Fasse den Stand so zusammen, dass ich in einem neuen Chat weiterarbeiten kann.“
Die dritte Zeile ist die, die keiner mitschreibt und die am meisten spart. Ohne sie schlägt das neue Gespräch genau die Wege wieder vor, die im alten schon durchgefallen sind.
Trick 3 — Beim ersten Mal vollständig fragen
Jede Nachbesserungsrunde liest das ganze Gespräch noch einmal. Drei Runden Nachbessern kosten mehr als eine gut gestellte Frage.
Ziel + Grundlage + Aufgabe + Format + Grenzen
Fünf Wörter. Wer sie abarbeitet, spart sich drei Nachbesserungsrunden.
- Auftrag: was genau rauskommen soll
- Für wen: Empfänger oder Zielgruppe
- Format und Länge
- Ein Beispiel, wenn es eines gibt
- Der Satz am Ende: „Frag nach, wenn Dir etwas fehlt, statt zu raten.“
Trick 4 — Sag, wie lang die Antwort sein soll
Der unterschätzte Hebel: Die Antwort kostet auch. Wer nichts sagt, bekommt eine Einleitung, eine Gliederung und eine Zusammenfassung obendrauf.
Jedes Wort der Antwort wiegt schwerer als jedes Wort der Frage.
Eine lange Antwort kostet doppelt: einmal, wenn sie geschrieben wird, und danach in jeder weiteren Runde, weil sie Teil des Verlaufs ist. Deshalb ist eine Längenvorgabe einer der billigsten Hebel.
Höchstens fünf Sätze.
Nur die Tabelle, kein Begleittext.
Wer es dauerhaft will, schreibt es einmal in die Custom Instruction oder die Projektanweisung. Der fertige Text steht unten zum Kopieren.
Wie Du fragst, entscheidet mit
Zwei Formulierungen, dieselbe Absicht, sehr unterschiedlicher Aufwand.
| Statt | Besser | Warum |
|---|---|---|
| „Geh Schritt für Schritt vor“ | „Fasse zusammen“ | Die erste Formulierung lädt zu langem Nachdenken ein, auch wenn die Aufgabe es nicht braucht |
| „Mach das schöner“ | „Kürze auf 150 Wörter und streiche die Füllwörter“ | Ohne Kriterium muss die KI raten, was gemeint ist, und liefert eine Runde umsonst |
| „Such mal überall“ | „Such nur in diesem einen Bereich“ | Jeder zusätzliche Suchraum wird gelesen, auch wenn nichts drinsteht |
Dasselbe gilt für angeschlossene Dienste und für eigene Skills: Sag vorher, wo gesucht werden soll. Ein Skill, der nur den eigenen Bereich durchsucht, ist schneller und günstiger als einer, der alles abklappert.
Claude im Browser kostet am meisten
Wenn Claude über den Browser eine Seite oder ein Dokument bearbeitet, sieht er sie: Bildschirmfotos, Schritt für Schritt, bei jeder Aktion neu. Bilder sind die teuerste Art, einer KI etwas zu zeigen.
Wenn es die Datei gibt, gib die Datei. Nicht den Bildschirm.
Wann er trotzdem richtig ist
Wenn es keine Schnittstelle gibt und eine Oberfläche wirklich bedient werden muss. Ein Programm ohne offenen Zugang zum Beispiel, bei dem nur der Weg über den Bildschirm bleibt.
Wann er falsch ist
Eine Tabelle auslesen, die ohnehin strukturiert vorliegt. Oder Text kopieren, den man selbst in fünf Sekunden markiert hätte.
Dasselbe gilt für Cowork: Dort arbeitet Claude direkt in Deinen Ordnern. Sag ihm, welche Dateien er lesen darf, welche er anlegen soll und welche tabu sind. Und bei einem langen Dokument nicht das ganze Handbuch mitgeben, sondern: prüfe nur Abschnitt 4.2 bis 4.5.
Welches Modell wofür
Modellnamen ändern sich alle paar Monate. Die Regel dahinter nicht.
Zeitaufwendig ist nicht dasselbe wie komplex
Viele Quellen lesen ist zeitaufwendig, aber nicht komplex. Dafür reicht ein kleines Modell. Komplex heisst: eine Aufgabe, die wirklich Urteilsvermögen braucht, etwa einen 30-seitigen SaaS-Vertrag prüfen. Erst dafür lohnt das grosse Modell.
Die Grenze: Sammeln und zusammenfassen verträgt ein kleines Modell. Etwas Bestimmtes aus vielen Quellen sicher wiederfinden nicht, denn genau bei viel Kontext verlieren kleine Modelle zuerst.
Der Normalfall ist die Mitte. Hochschalten ist die Ausnahme, nicht die Höflichkeit.
In Claude
| Auswahl | Wofür | Beispiel aus dem Büro |
|---|---|---|
| Haiku 4.5 | schnell und einfach | Kurze Zusammenfassung eines Protokolls |
| Sonnet 5 | der Normalfall: Schreiben, Auswerten, Recherche | Angebot formulieren, Tabelle auswerten |
| Opus 5 | vielschichtige Analyse | Recherche mit mehreren Quellen gegeneinander abwägen |
| Fable 5.1 | im Alltag nicht nötig | — |
Fable braucht ihr im Alltag nicht. Für fast alles reicht Opus, für Routine und Massenaufgaben Haiku.
In ChatGPT
| Auswahl | Wofür | Beispiel aus dem Büro |
|---|---|---|
| Auto | wählt selbst und liegt im Alltag meistens richtig | Alles, was keine erkennbar schwere Aufgabe ist |
| Das Denkmodell mit Stufenregler | mehrstufige Aufgaben | Protokoll auswerten, Angebot ausformulieren |
| Das Pro-Modell | die schwersten Aufgaben, teils erst nach Freigabe | Umfangreiche Recherche mit Quellenabgleich |
Die genauen Namen im ChatGPT-Menü wechseln häufig und unterscheiden sich je nach Workspace. Geh nach der Position im Menü, nicht nach der Versionsnummer.
Übersteuere Auto erst, wenn eine Antwort spürbar zu oberflächlich war.
Mitten im Gespräch das Modell wechseln kostet extra
Ein Wechsel mitten in der Unterhaltung kann Mehrarbeit auslösen, weil Teile des Verlaufs neu verarbeitet werden. Entscheide möglichst am Anfang, womit Du arbeitest. Das ist ein Erfahrungswert, keine gemessene Grösse.
Trick 4 — Den Regler runterdrehen
Für Umformulieren, Zusammenfassen und Routine braucht es weder das größte Modell noch die höchste Denkstufe.
In Claude
Modell, Effort-Stufe und Denken sitzen im Menü neben dem Senden-Knopf. Eine höhere Effort-Stufe liefert gründlicher, dauert länger und verbraucht mehr Token. Das kleine Modell für einfache Antworten, das mittlere als Normalfall, das große nur bei echtem Bedarf.
In ChatGPT
„Auto“ wählt das Modell selbst und schaltet die aufwendige Denkstufe nur bei anspruchsvollen Aufgaben zu. Der verbreitete Fehler ist, reflexhaft „Thinking“ zu erzwingen. Und Deep Research hat ein eigenes, begrenztes Monatskontingent — für eine einfache Frage ist es die falsche Wahl.
So wenig wie möglich, so viel wie nötig
So wenig wie möglich, so viel wie nötig.
Der verbreitete Reflex ist, lieber alles mitzugeben, damit sie den Zusammenhang versteht. Das Gegenteil stimmt: Zu viel Material verwässert die Frage. Drei Sätze, die genau passen, schlagen zehn Seiten, die auch passen könnten.
Trick 5 — Dauerhaftes einmal hinterlegen
Rolle, Ton und Format gehören einmal an einen festen Platz, nicht in jeden Chat.
In Claude
Ins Projekt — aber schlank halten. Solange das Projektwissen klein genug ist, wird es bei jeder Anfrage komplett mitgeschickt. Wird es zu groß, sucht sich das System stattdessen passende Ausschnitte heraus, und dann trifft es womöglich die falschen. Beides spricht für wenig und gut ausgewähltes Material. Eindeutig ist der Fall bei Skills: Name und Beschreibung jedes installierten Skills laufen bei jeder Anfrage mit.
In ChatGPT
Custom Instructions. Einmal hinterlegt, laufen sie bei jedem neuen Chat automatisch mit. Daneben gibt es das Gedächtnis, das gespeicherte Notizen und frühere Chats heranholt. Beides ist einzeln abschaltbar.
Für Fortgeschrittene
Jedes verbundene Werkzeug beschreibt sich der KI bei jeder Anfrage neu. Viele angeschlossene Dienste heissen viel Vorlauf, bevor die erste Frage überhaupt gelesen wird. Wer viel damit arbeitet, schaltet nicht gebrauchte Verbindungen ab.
Wer sehr viel über solche Verbindungen laufen lässt, ist mit einem direkten Zugang besser bedient als mit dem Chatfenster. Meldet euch beim KI-Team, wir schauen es uns gemeinsam an.
Sechs Gewohnheiten, die teuer werden
| Gewohnheit | Warum es schiefgeht | Besser |
|---|---|---|
| Ein endloser Universalchat | Alte Themen und verworfene Entwürfe beeinflussen die neue Antwort | Neues Thema, neuer Chat |
| „Lies alles und mach was draus“ | Viel Material, unklare Erwartung, beliebiges Ergebnis | Ziel, konkrete Datei und gewünschtes Ergebnis nennen |
| Alte und neue Fassung zusammen hochladen | Die KI nimmt womöglich die falsche | Nur die aktuelle Fassung hochladen, alte archivieren |
| Den Bildschirm zeigen statt die Datei | Bildschirmfotos sind die teuerste Form von Kontext | Die Datei direkt geben |
| Alles auf einmal beauftragen | Zwanzig Dateien und fünf Aufgaben in einem Schritt gehen schief | In Etappen: erst prüfen, dann Lücken klären, dann schreiben |
| „Mach das besser“ | Die KI muss Ziel, Massstab und Format raten | Sagen, was besser heisst |
Zum Kopieren
Nichts davon muss man auswendig können.
Die Übergabe anfordern
Die Übergabe selbst
Ein vollständiger Auftrag
Custom Instruction für kurze Antworten
Abschluss
Sucht euch einen Chat, der zu lang geworden ist. Lasst euch eine Übergabe schreiben, macht einen neuen auf, klebt sie rein. Das dauert zwei Minuten und ihr merkt den Unterschied bei der nächsten Antwort.
Die drei Handgriffe, die bleiben:
- 1 · Trennen — ein Thema, ein Chat. Beim dritten Korrigieren neu ansetzen.
- 2 · Übergeben — fünf Zeilen statt den ganzen alten Verlauf.
- 3 · Dosieren — Regler runter, Dauerhaftes einmal hinterlegen.
- 4 · Weglassen — so wenig wie möglich, so viel wie nötig.