Distart.
Distart Live Session · 30. Juni 2026

Alle machen KI. Was macht den Unterschied?

Von AI-Slop zu echten Resultaten.

↓ Scroll dich durch. Jeder Abschnitt baut auf dem vorigen auf.
Die These

Nicht bedienen. Beurteilen.

Wir werden alle mit KI arbeiten. Die Kunst liegt nicht in der Umsetzung — die übernimmt die Maschine — sondern in Planung und Kontrolle.

Dafür brauchst du ein tiefes Verständnis für die Sache, aber kein tiefes Detailwissen. Das Detailwissen liefert die KI: jeder hat tausend kleine Experten an der Hand.

Der scheinbare Widerspruch: „Kontrolle" und „kein Detailwissen" beißen sich — Kontrolle heißt ja, den Output beurteilen zu können, und das geht nur mit genug Verständnis. Die Auflösung: Es ist nicht weniger Wissen, sondern anderes. Nicht die Ausführungs-Mechanik (delegierbar), sondern Beurteilungs- und Architektur-Wissen — nötiger denn je.

Das Modell · interaktiv

Der Regler

Die Grenze zwischen „das macht die KI" und „das bleibt bei dir" ist kein Themengebiet. Sie ist eine bewegliche Schwelle. Was sie bewegt: was auf dem Spiel steht.

Verstehe von einer Sache genau so viel, dass du erkennst, wann die Maschine lügt — und das skaliert mit dem, was auf dem Spiel steht."
Experiment Kritisch
SpielwieseInternes ToolKundenproduktGeld · Recht · Sicherheit
Spielwiese · Experiment
Der Einsatz ist null. Schwelle ganz unten — delegier alles, produzier ruhig Slop. Genau so lernst du.
Das macht die KIunter der Schwelle · delegierbar
Schwelle0 bei dir
Das bleibt bei dirüber der Schwelle · dein Urteil, nie delegierbar
Schieb den Regler — oder klick ihn an und nutze ← →. Tipp: Klick auf eine Tätigkeit, dann steht da, warum sie dort liegt.

Je höher der Einsatz, desto mehr wandert über die Schwelle: zu dir, zu deinem Urteil. Das Einzige, was immer unten bleibt, ist die reine Mechanik.

Kontrolle in der Praxis

Kontrolle ist nicht der Test am Ende

Sie hat drei Momente — alle über der Schwelle, alle deine Sache:

Davor

Planen

Das Ziel und die Akzeptanzkriterien definieren. Ohne das weiß weder du noch die KI, was „fertig" heißt.

Währenddessen

Nachfragen

Die stillen Annahmen der KI hinterfragen, statt Vorschläge abzunicken. Kontrolle in Echtzeit, nicht Aufräumen hinterher.

Danach

Testen

Gegen die Kriterien prüfen, die du vorne definiert hast. Durchklicken, gegenhalten: „Tut es, was ich wollte?"

Wir nicken KI-Vorschläge ab, um uns nicht dumm vorzukommen — eine übertragene soziale Scham. Nur: Da sitzt kein Gegenüber, das urteilt. Bei der KI ist Nachfragen schamfrei. Das Dumme ist nicht die Frage — das Dumme ist das blinde Accept.

Das Abnicken hat einen Namen: Automation Bias (Parasuraman & Manzey 2010). Gut erforscht, trifft Experten genauso wie Laien, und Training schützt nicht davor. Das Einzige, was hilft, ist die bewusste Nachfrage. → Quellen

Was die Demo zeigt

Eine Webseite zu haben ≠ den Job erledigt zu haben

Ein Satz Prompt, ein fertig aussehendes Kundenportal. Frontend, Backend, läuft. Sieht fertig aus. Ist es nicht.

0% schenkt dir die KI
0% ist der Job
Das 70%-Problem (Addy Osmani, Google): Der Happy Path ist schnell da — die letzten 30 % sind die eigentliche Arbeit.

Probier's selbst aus. Das hier sieht aus wie ein fertiges Portal — reich eine Anfrage ein, dann klick „Jetzt testen wie ein Profi":

kundenportal.app

Neue Anfrage stellen

❌ Nach dem Reload alles weg. In-Memory, keine echte Speicherung — niemand hat „bleibt erhalten" verlangt.

Meine Anfragen

  • Noch keine Anfragen.
❌ Mitarbeiter-Bereich: existiert nicht.
Die KI hat nur die Kundenseite gebaut. Wer bearbeitet die Anfragen?

Der Mechanismus

Das 70%-Problem

Addy Osmani (Google) nennt es die „Demo-Quality Trap": Die ersten 70 % schenkt dir die KI — der Happy Path funktioniert wunderschön. Die letzten 30 % (Fehlerfälle, Edge-Cases, der echte Fluss) sind die eigentliche Arbeit.

Das Begriffspaar

Vibe Coding → Vibe Engineering

One-Shot, ohne reinzuschauen = Vibe Coding (Karpathy/Willison). Völlig okay für einen Wegwerf-Prototyp. Sobald es jemand benutzt, braucht's Vibe Engineering: Specs, Erfolgskriterien, Review.

Der Plan ist die Testliste

Dieselbe Liste — schalt einmal um. Vorne dein Plan, hinten dein Test:

Plan · vorher
„Fertig heißt:" — das schreibst du, bevor die KI loslegt. Es gehört in den Prompt.
  • Anliegen bleibt nach Reload / Neustart erhalten
  • Support sieht alle offenen Anliegen
  • Statuswechsel (offen → in Arbeit → erledigt) ist beim Kunden sichtbar
Karte umdrehen ↻
Test · nachher
Dieselben Zeilen — jetzt hakst du sie nach dem Bauen ab. „Tut es das?"
  • Anliegen bleibt nach Reload / Neustart erhalten
  • Support sieht alle offenen Anliegen
  • Statuswechsel (offen → in Arbeit → erledigt) ist beim Kunden sichtbar
↻ zurück zum Plan
Vorder- und Rückseite derselben Karte. Du schreibst sie einmal.
Der Plan ist die Testliste. Die Akzeptanzkriterien, die du vorne schreibst, sind exakt die Checkliste, die du hinten abhakst. Planen und Testen sind dieselbe Liste — von zwei Seiten. Und für Prompt Engineers: Sie gehört IN den Prompt. Sie ist die Spec.
Vor dem ersten Prompt

Denk im Problem, nicht in der Lösung

Der teuerste Fehler passiert, bevor die KI überhaupt startet: sich in eine Lösung zu verlieben, statt das Problem zu verstehen.

Das Kundenportal von eben war eine Lösung — hübsch gebaut, aber am eigentlichen Problem (dem Fluss zwischen Kunde und Support) vorbei. Wer nur nach der Lösung fragt, bekommt eine schnellere Version des Bekannten. Wer nach dem Problem fragt, sieht plötzlich ganz andere Wege.

„Was wollt ihr?" — die Antwort bleibt im Bekannten:
🐎 Ein schnelleres Pferd
Der Lösungsraum ist eng. Ein Auto? Kommt hier gar nicht vor.
„Ich komme zu langsam von A nach B." — jetzt zählt das Ziel, nicht das Mittel:
🐎 Pferd
🚲 Fahrrad
🚗 Auto
🚆 Zug
✈️ Flugzeug
Erst die Frage nach dem Problem macht das Auto überhaupt denkbar.
Für Prompt Engineers wörtlich: Ein guter Prompt beschreibt das Problem und das Ziel — nicht schon die Lösung. Sag der KI, was „fertig" heißt und warum, statt „bau mir ein schnelleres Pferd".

Ein ehrlicher Nachtrag zur Quelle. Dieses Bild wird gern mit einem Zitat verkauft — „Hätte ich die Leute gefragt, hätten sie schnellere Pferde gewollt." Meist Henry Ford zugeschrieben (nicht Carl Benz). Nur: belegt ist es nicht. Es fehlt in Fords Autobiografie und in der Zitat-Datenbank des Henry-Ford-Museums; die früheste Zuschreibung taucht erst 2001 auf — Ford starb 1947. Nimm also das Bild, aber nicht das Zitat als Beleg. Passend für eine Session übers Prüfen: Fast hätten wir's selbst durchgewunken. → Quellen

Wo es schiefgeht

Zwei Wege, an der Kontrolle zu scheitern

Beide enden im selben Ergebnis: Slop.

Können fehlt

Du verstehst zu wenig

Du erkennst den Mist nicht, weil das Verständnis fehlt. Gegenmittel: lernen, experimentieren — Stakes runter, Schwelle runter, spielen. Genau dafür ist die Spielwiese da.

Wollen fehlt

Du prüfst zu wenig

Du könntest es beurteilen, bist aber zu faul oder überfordert und nickst ab. Gegenmittel: Haltung — und den Aufwand an den Stakes ausrichten.

Experiment und Kontrolle sind Anfang und Ende derselben Lernkurve. Beim Spielen sind die Stakes null — genau dort baust du das Verständnis auf, das bei hohem Einsatz zählt.
Der Kern in einem Satz
KI gibt dir tausend Experten an die Hand — aber sie nützen dir nur, wenn du selbst gut genug bist, um zu erkennen, welcher gerade lügt."
Zum Nachlesen

Belege & Quellen

Echte Quellen — nichts aus dem Kopf zitiert. Bei einer Session über KI-Halluzination wäre das der Super-GAU.